Vom Hörsaal zum EduSpace – Kooperative Lehrraumentwicklung für die Lehre der Zukunft

Niko Baldus
Universität Mannheim
 

Lightning Talks – Session I
10:40 Uhr

 
Das Projekt EduSpace der Universität Mannheim demonstriert, wie durch partizipative Planung bestehende Hörsäle zu flexiblen, interaktiven und hybriden Lernräumen weiterentwickelt werden können, um eine studierendenzentrierte Hochschullehre zu ermöglichen. Im Fokus steht die Kooperation zwischen Studierenden, Lehrenden, Verwaltung und externen Expertinnen und Experten, wodurch innovative Raumkonzepte entstehen, die verschiedene Lehr-Lernszenarien unterstützen.

Im Mittelpunkt:
●  Wie kann ein traditioneller Hörsaal in einen flexiblen, hybrid-fähigen Lernraum verwandelt werden?
●  Welche Rolle spielt Partizipation von Studierenden und Lehrenden bei der Raumplanung?
●  Wie lassen sich verschiedene Stakeholder erfolgreich einbinden?
●  Welche baulichen und organisatorischen Herausforderungen treten bei der Lehrraumentwicklung auf?
●  Welche Auswirkungen hat die Flexibilisierung der Räume auf didaktische Möglichkeiten?
●  Was sind die Lessons Learned aus dem partizipativen Entwicklungsprozess?

 

Niko Baldus

Partizipative Planung als Ausgangspunkt

Der Entwicklungsprozess begann mit Workshops zur Bedarfserhebung, in denen Studierende und Lehrende gemeinsam Ideen für zukünftige Lernräume entwarfen. Echtzeit-Visualisierungen machten die Konzepte greifbar und förderten eine gemeinsame Vision. Eine anschließende Lehrendenbefragung bestätigte die Ergebnisse der Workshops und machte sie dadurch belastbarer. Aus allen Daten wurde ein Rohkonzept entwickelt, das Vision, Zielsetzungen und illustrative Bildmaterialien enthielt. Dieses Dokument erwies sich als entscheidend für die anschließende Zusammenarbeit mit Verwaltung und Bauamt: Es erleichterte Abstimmungen, beschleunigte Entscheidungen und schuf ein gemeinsames Verständnis für das angestrebte Raumkonzept.

Stakeholder-Einbindung und Herausforderungen im Umsetzungsprozess

Die Kooperation mit Verwaltung und Bauamt war zentral, insbesondere zur Klärung von Anforderungen wie Brandschutz, Barrierefreiheit, Raumstatik und Möblierungsrichtlinien. Wesentlich für den Projekterfolg war zudem das Eindenken in unterschiedliche institutionelle Logiken sowie ein transparenter Austausch aller Beteiligten. Ein weiterer Schlüsselfaktor war die Zuweisung eines geeigneten Raums, da die geplante Flexibilisierung deutlich mehr Bewegungs- und Gestaltungsspielraum erforderte. Schließlich wurde ein 136 m² großer Hörsaal identifiziert, der aufgrund des neuen Konzeptes von ehemals über 100 Plätzen auf eine Kapazität von 35 Studierenden reduziert wurde.

In Zusammenarbeit mit professionellen Innenarchitektinnen und Innenarchitekten wurde daraufhin das finale Raumkonzept entwickelt. Dabei zeigte sich deutlich: Die Qualität eines Lernraums – und das Gelingen eines solchen Transformationsprojekts – entsteht erst im Zusammenspiel vielfältiger Expertisen, von Didaktik und Architektur bis hin zu IT, Bauwesen und Beschaffung.

Gleichzeitig zeigte der Projektverlauf, dass bestimmte Rahmenbedingungen nicht beeinflussbar sind. Architektonische Einschränkungen, baurechtliche Vorgaben oder Lieferzeiten für Möblierung können Planungen verändern und unerwartete Verzögerungen verursachen. Die Erfahrung unterstreicht daher die Bedeutung großzügiger Zeitpuffer, um bei derartigen Transformationsprojekten realistisch und handlungsfähig zu bleiben.

 

Erprobte Lösungen: Flexible, hybride Raumgestaltung

Der neu geschaffene EduSpace ermöglicht eine Vielzahl an Nutzungsszenarien. Mobile Möbel und variable Elemente – darunter Tische und Raumteiler auf Rollen, eine klappbare Wand, akustisch wirksame Trennelemente, Whiteboards und PIN-Wände – erlauben es, den Raum schnell und intuitiv an unterschiedliche Lehr- und Lernsituationen anzupassen.

Für hybride Formate sowie kollaborative Gruppenarbeiten stehen jedem Team eigene Bildschirme und Videokonferenzsysteme zur Verfügung. Ergänzt wird das Raumkonzept durch einen Loungebereich auf einem erhöhten Podest, der ungezwungene Arbeits- und Austauschphasen ermöglicht und den Raum zusätzlich zoniert.

Die Ausstattung unterstützt damit sowohl kooperative Arbeitsformen als auch fließende Übergänge zwischen Plenum, Gruppenarbeit, informellen Lernsettings und selbstständigen Arbeitsphasen.

 

Abgestufte Beteiligung als Erfolgsfaktor

Die Partizipation im Projekt folgte einem dreistufigen Modell:

  1. In der Konzeptionsphase wurden Studierende und Lehrende intensiv eingebunden, um Bedarfe, Ideen und Nutzungsszenarien zu definieren. In der anschließenden Realisierungsphase übernahmen technische und administrative Expertinnen und Experten die Verantwortung, um die bauliche und organisatorische Umsetzung zielgerichtet voranzutreiben.
  2. Bevor die Beschaffung eingeleitet wurde, wurde das entwickelte Konzept den Lehrenden und Studierenden erneut vorgestellt, um ein abschließendes Feedback einzuholen. Zu diesem Zeitpunkt waren keine grundlegenden Änderungen mehr möglich, wohl aber kleinere Anpassungen zur Feinjustierung.
  3. Diese abgestufte Form der Beteiligung wurde von der Projektleitung als besonders wirkungsvoll bewertet: Sie ermöglichte echte Mitgestaltung und förderte Akzeptanz, ohne Entscheidungsprozesse oder Bauabläufe unnötig zu verlangsamen.

 

Wir werden in Zukunft weniger Hörsäle brauchen, aber mehr EduSpaces.

Niko Baldus

Universität Mannheim

 

Mehr Info

  • Der Stifterverband beschäftigte sich im Rahmen des Programms "Lernarchitekturen" ebenfalls mit der Gestaltung zukunftsorientierter Lernräume.
     
  • Eine Community of Practice hat eine Sammlung konkreter Ideen und Handlungsvorschläge erarbeitet, wie Lernräume gestaltet, genutzt und evaluiert werden können. Die Themen reichen von Flexibilität und digitaler Transformation bis hin zu nachhaltiger Gestaltung. Die Online-Publikation "Zukunftsorientierte Lernräume" ist im April 2025 erschienen.
     
  • Im Rahmen der Förderinitiative "Raumlabore" wurden fünf Hochschulen bei der Entwicklung zukunftsfähiger Lernräume unterstützt und begleitet, ein Fokus lag dabei auf partizipativen und interdisziplinären Planungsprozessen. Die Erfahrungen und Herausforderungen sind auf der Homepage dokumentiert.

 

Tags: Lehrraumentwicklung, hybride Lehre, Partizipation, Raumgestaltung, Hochschuldidaktik, EduSpace, Stakeholder-Einbindung, Gruppenarbeit, Flexibilität, Lessons Learned, Universität Mannheim