OEP und KI – Möglichkeiten einer neuen "Openness"

Alexander Klein
Eberhard Karls Universität Tübingen
 

Lightning Talks – Session I
10:40 Uhr

 
Der Vortrag thematisierte Chancen und Herausforderungen von Open Educational Practices (OEP) im Zusammenspiel mit generativer KI an Hochschulen in Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt standen das bestehende Paradox von wachsendem Zugang zu Bildungsressourcen und dennoch begrenzter Offenheit in Lehrpraktiken sowie innovative Ansätze, wie KI zur Förderung transparenter und kollaborativer Lehr-/Lernszenarien beitragen kann.

Im Mittelpunkt:
●  Paradox von mehr Zugang zu Ressourcen und dennoch begrenzter Offenheit in der Lehre
●  Grenzen bisheriger OER-Nutzung und unterentwickelte Open Educational Practices
●  Rolle von KI als mögliche Disruption und Katalysator für Openness
●  Vier Dimensionen offener Lehrentwicklungspraktiken mit KI-Integration
●  KI-gestützte Individualisierung, Kollaboration, Remix-Kultur und Qualitätssicherung
 

Alexander Klein

Status quo und Paradox der Openness in der Hochschullehre

Obwohl Lehrende heute einen nie dagewesenen Zugang zu Bildungsressourcen besitzen, wird das Potential offener Lehrpraktiken noch immer nicht ausreichend genutzt. Die etablierte Nutzung von OER (Open Educational Resources) stößt an praktische Grenzen: In Lehrszenarien bleibt Wissen oft verschlossen, Integrationsaufwand und Aktualisierung werden unterschätzt und vorhandene Strukturen führen zu punktuellen, oft isolierten Lösungen. Generative KI verspricht zwar eine einfache Content-Erstellung, doch bestehende Systeme sind meist geschlossen und wenig transparent. Das Ergebnis ist das sogenannte Openness-Paradox: Es gibt mehr Werkzeuge, aber weniger echte Offenheit in der Praxis.

Vier Dimensionen neuer Openness durch OEP und KI

Open Educational Practices gehen über das reine Bereitstellen von OER hinaus und fordern offene Entwicklungsprozesse in der Lehre. Zentral sind hierbei vier innovative Dimensionen: Erstens transparente Entwicklungsprozesse, etwa in Form von "Teaching in Public" und dokumentierten Lehrszenarien (beispielsweise via Blogs oder Gitlab mit Versionskontrolle). Zweitens kollaborative Entwicklung, etwa durch cross-universitäre Lesson-Study-Gruppen oder KI-unterstützte Matching-Plattformen für Lehrende mit ähnlichen Herausforderungen. Drittens eine adaptive Remix-Kultur, in der modulare Lehrbausteine durch KI an variable Kontexte angepasst werden und eine "Educational DNA" mit standardisierten Metadaten entsteht. Viertens eine community-basierte Qualitätssicherung, die menschliches Peer-Review mit KI-basierten Qualitätsindikatoren verbindet.

 

KI als Katalysator für praktische Offenheit

Vorgestellt werden drei Rollenszenarien für KI als Katalysator der Openness: Als Individualisierungs­helfer analysiert KI bestehende OER und schlägt personalisierte Lehrpfade vor. Als Kollaborations-Enabler identifiziert KI Synergien zwischen Lehrenden verschiedener Hochschulen, um Vernetzung zu befördern. Als Reflexionspartner dokumentiert und analysiert sie Lehrpraktiken für kontinuierliche, evidenzbasierte Verbesserungen. Der Schlüssel liegt in einer Human-AI-Partnerschaft, bei der KI die Offenheit menschlicher Lehrpraxis verstärkt, ohne eigene Expertise zu ersetzen.

 

Wir leben in einer Zeit, in der Lehrende mehr Zugang zu Bildungsressourcen haben als je zuvor und trotzdem weniger davon nutzen als erhofft.

Alexander Klein

Eberhard Karls Universität Tübingen

 

Tags: Open Educational Practices, OEP, Künstliche Intelligenz, Hochschullehre, Openness-Paradox, OER, Kollaboration, Remix-Kultur, Qualitätssicherung, Human-AI-Partnerschaft, Lehrinnovation, Bildungsressourcen